Fla-Raketenkomplex 9K35M

5. 9A35 Aufbau und Bestand

Das Gefechtsfahrzeug dient dem Transport der Fla-Raketen, der Ortung und Kennungsabfrage von Luftzielen, der  Startvorbereitung der Fla-Raketen sowie ihren Start auf Luftziele. Weiterhin ermöglichen die Geräte und Systeme das Ermitteln der Grenzen der Startzone und der Lage des Ziels innerhalb dieser Grenzen, das Errechnen der Vorhaltewinkel und ihr Abarbeiten durch die Starteinrichtung sowie die Kennungsabfrage des Zieles.
Die Fla-Raketen können aus der Startstellung, der Bewegung und aus dem kurzen Halt gestartet werden. Bei fehlender Zielzuweisung können Luftziele mit dem Funkmesspeiler aufgefasst und genau angepeilt werden. Zum Bestand des Gefechtsfahrzeuges 9A35M gehören:

1 Antriebsrad, 2 Luke zum Kraftübertragungsraum, 3 Platz des Fahrers, 4 Luke zum Motorraum, 5 Austritt Abgas- und Ventilationsanlage, 6 pass. FM Peiler für Zielbegleitung, 7 pass FM Peiler für Zielortung, 8 Lafette mit Höhenrichtantrieb, 9 Antenne des Kennungsgeräts, 10 Container mit Fla-Rakete, 11 Antene des FM-Entfernungsmessers, 12 Prisma der Visiereinrichtung, 13 Sichtfenster des Fla-Raketenschützen, 14 MG PKT, 15 Antennenfuß für R-123, 16 Platz des Kommandanten , 17 Wellenbrecher (Zeichnung: Bauanleitung für Modell Strela10SW, SKIF, Modell Nr. 216, bearbeitet von R.Wagner) 

 

Basisfahrzeug

 

Das Basisfahrzeug wurde vom leicht gepanzerten Arillerieschlepper MT-LB abgeleitet. In der Fahrzeugfront befinden sich die Plätze des Panzerfahrers und des Kommandanten. Im Gegensatz zum MT-LB verfügen die Basisfahrzeuge 9A34 und 9A35 über keine Kommandantenkuppel. Im vorderen mittleren Fahruegbereich befindet sich die Motorsektion, die über eine große Luke vom Fahrzeugoberteil zu erreichen ist. Mittig im hinteren Teil befindet sich die Führung für das Artillerieteil mit dem Platz des Fla-Raketenschützen. Die elektrischen Anlagen des Artillerieteils sind per Schleifringübertrager mit dem Basisfahrzeug verbunden. Im Heck des Fahrzeugs können 8 Fla-Raketen mitgeführt werden. Wie beim MT-LB befinden sich am Fahrzeugheck zwei große Luken zum Beladen des Fahrzeugs und als Einstieg für den Fla-Raketenschützen.   

 

 

Gefechtsmasse  12.132 kg
Länge 5,93 m
Breite  2,85 m
Höhe in Marschlage  2,22 m
Höhe in Gefechtslage 3,97 m
Antrieb JaMS-240, 4T Diesel-8V , 240 PS
Bodenfreiheit 0,40m
Steigfähigkeit  30°
Kraftstoff-Vorrat 520 l
Fahrbereich Straße: 520 km
Gelände: 470 km

 

Platz des Fahrers in der 9A35 (Foto: Ralf Wagner)

Starteinrichtung:

Die Starteinrichtung gehört zur Startausrüstung des Gefechtsfahrzeuges und dient

  • zur Aufnahme von vier Containern mit Fla-Raketen

  • zum Richten der Fla-Raketen auf das Ziel

  • zum Transport und Überführen der Fla-Raketen in die Marsch- bzw. Gefechtslage

  • zur elektrischen und mechanischen Verbindung der Fla-Rakete mit der Startapparatur und der Visiereinrichtung

Phasen bei der Herstellung der Gefechtslage: 1. Marschlage, 2.Aufrichten der Starteinrichtung, 3. Gefechtslage (Zeichnungen: Bauanleitung für Modell SAM-13 ACE Nr. 72123 
siehe auch Fotoserie

Die Starteinrichtung besteht aus folgenden Elementen:

  • Turm mit Aufhängung, Sitz des Fla-Raketen-Schützen (FRS), Schleifringübertrager, Seitenrichtantrieb, Überführungs-, Zurr-, Ausgleichs- und Visiereinrichtung, Richtpult und Sichtfenster des FRS sowie anderen Blöcken und Geräten

  • Lafette mit Höhenrichtantrieb, Verdichter, Ausgleichs- und Arretiereinrichtung

  • Wiege mit Führungen für vier Container, je einer elektromagnetischen Einrichtung zum Öffnen des vorderen Containerdeckels, Koppelblock und Elementen des Geräts zur Bestimmung der Startzone und des Kennungsgerätes

  • den Blockiereinrichtungen

Mit dem Richtpult des FRS wird die Starteinrichtung beim Richten und Schwenken gesteuert. Das Richten im Höhenwinkel erfolgt durch Bewegen der Steuergriffe nach oben und unten. Zum Richten im Seitenwinkel und zum Schwenken der Lafette um 180° wird das Richtpult nach links oder rechts gedreht. Dabei werden Potentiometerschleifer bewegt, die entsprechenden elektrischen Differenzsignale gelangen über Verstärker zu den Stellmotoren der Richtantriebe.

(links Richtpult des FRS, Foto: R.Wagner) 

Mit Hilfe der Überführungseinrichtung wird die Starteinrichtung aus der Marschlage in die Gefechtslage und umgekehrt überführt. Die Überführungseinrichtung wird elektrisch, kann aber auch von Hand angetrieben werden.
Verschiedene Blockiereinrichtungen gewährleisten die Sicherheit der Arbeit der Besatzung und die Einhaltung der festgelegten Reihenfolge der Arbeit der Systeme des Gefechtsfahrzeuges

Bild von der der Wiege.
Schön zu erkennen sind die Containerführungen, die elektrischen Anschlüsse (mit roten Schutzkappen) und der Mechanismus zum Öffnen des Containerdeckels an der Spitze der Aufnahme.

Startapparatur

Die Startapparatur dient zur Startvorbereitung und zum Start der FRa von einer der vier Führungen der Starteinrichtung. Die Führungen können dabei von Hand oder automatisch umgeschaltet werden. 
Zur Startapparatur gehören:

  • (1) Bedienpult des FRS
  • (2) Relaisblock
  • (3) Koppelblock
  • (4) Analyseblock
  • (5) Umform- und Steuerblock
  • (6) Block für phasensynchrones Auswandern
  • (7) Sekundärspannungsquelle (Umformer und Stabilisator

Blick auf das Bedienpult des FRS (Foto: R.Wagner)

rechts- Schema Startausrüstung aus Handbuch für Fla-Raketeneinheiten

Zur Gewährleistung der Sicherheit der Besatzung besitzt die Startapparatur Blockiereinrichtungen, die den Start von FRa aus der Marschlage, mit geöffneten Luken, geöffneter Kühlerjalousie oder geöffnetem Sichtfenster des FRS verhindern. Außerdem wird der Start auf eigene Flugzeuge und Luftziele außerhalb der Startzone verhindert.

Arbeitsweise
Das Bedienpult des FRS arbeitet als Steuerblock für die Startapparatur. An der Frontplatte befinden sich die wichtigsten Bedienelemente, mit denen folgende Hauptfunktionen realisiert werden:

  • Ein- und Ausschalten der Stromversorgung und deren Überprüfung
  • Umschalten der Führungen für die zum Start vorgesehenen Raketen
  • Anpassen der Arbeit des ZSLK an die jeweiligen Hintergrundbedingungen
  • Ein- und Ausschalten des Störschutzsystems sowie Umschalten der Betriebsarten
  • Ein- und Ausschalten der elektrischen Richtantriebe
  • Ein- und Ausschalten von Blockierungen verschiedener Geräte
  • Havariestart von Raketen

Im Relaisblock werden die verschiedenen Schaltzustände für die Startapparatur und das Gefechtsfahrzeug realisiert.

Der Koppelblock arbeitet als Bindeglied zwischen der Startapparatur und den Raketen. Er schaltet die für den Start vorgesehene Rakete an die Startapparatur und gewährleistet folgende Funktionen:

  • Stromversorgung der Rakete
  • Signalübertragung zur Steuerung des ZSLK
  • Startvorbereitung der jeweils folgenden Rakete (bei automatischem Umschalten)
  • Übertragung der Signale des ZSLK zur Steuerung der beweglichen Folgemarke und der akustischen Information über das Auffassen eines Zieles
  • Übertragung der Spannungen zum Zünden der Pyrozünder im Container sowie des Pyrozünders, Pulvergasgenerators und Starttriebwerkes in der Rakete
  • Umschaltung der Arbeitsverfahren des ZSLK

Der Analyseblock schaltet das Signal BESCHLEUNIGTE ARRETIERUNG ein und legt es an den Zielfolgekoordinator des ZSLK. Weiterhin gewährleistet er die beschleunigte Drehzahlstabilisierung und die Analyse der Tonfrequenz des Auffaßsignals, das vom ZSLK beim Auffassen eines Ziels (einer Störung) erzeugt wird.

Der Umform- und Steuerblock gewährleistet

  • das Umformen der Signale der Winkelgeschwindigkeit der Visierlinie in Signale, die zur Steuerung der Starteinrichtung genutzt werden
  • die Widerstandsanpassung verschiedener Kreise des ZSLK an die entsprechenden Kreise der Startapparatur
  • das Errechnen der summarischen Winkelgeschwindigkeit der Visierlinie, die zum Bestimmen der Grenzen der Startzone und des Vorhaltewinkels notwendig ist
  • das automatische Ermitteln des auf der Starteinrichtung befindlichen Raketentyps
  • das automatische Steuern der des Antriebs der beweglichen Folgemarke im optischen Visier

Der Block für phasensynchrones Auswandern erzeugt

  • das Eingangssignal und die Steuersignale für die Baugruppen zur Selektion der Störungen der Rakete
  • das Signal AUSWANDERN in Abhängigkeit von der Geschwindigkeitskomponente der Visierlinie.

Er gewährleistet das Abschalten des Signals AUSWANDERN, wenn der ZSLK das Ziel verliert oder wenn der Begleitfehler den zulässigen Höchstwert überschreitet.

Die Sekundärspannungsquelle formt die Spannungen der Primärspannungsquelle von 21,6 bis 28,8 V in stabilisierte Spannungen 28 V und 30 V um. Diese werden zur Versorgung der Startausrüstung und der FRa genutzt. Die Sekundärspannungsquelle befindet sich im Heck des Gefechtsfahrzeuges und besteht aus zwei identischen, elektrisch voneinander unabhängigen Kanälen mit je einem Umformer und einem Stabilisator.

Auszüge aus Handbuch für Fla-Einheiten,

Ralf Weyda, Ralf Wagner, April 2006